Selbstverständnis - Name als Auftrag

Die Arbeit in der Wohngemeinschaft Maria-Martha richtet sich aus an den aktuell geltenden fachlichen und gesetzlichen Standards. In unserem Tun werden wir geleitet von den Werten unseres christlichen Glaubens.

Gruppe montiert In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gilt unser Selbstverständnis vom christlichen Menschenbild von der Zusage GOTTES,
dass jeder Mensch von IHM geliebt und angenommen ist, dass jeder Mensch nach dem Bilde GOTTES geschaffen und einzigartiges Geschöpf ist.

 

Für Teilhabeunsere Einstellung und unser Tun bedeutet dies:

  • Wir nehmen die in unseren Häusern lebenden Bewohnerinnen und Bewohner mit all ihren Besonderheiten an.
  • Wir ermöglichen den Bewohnerinnen und Bewohnern wahrhaftig Teilhabe; Teilhaben in unserem Verständnis bedeutet, beteiligt zu sein, seinen Platz unter anderen Menschen zu haben, Raum zu haben zur eigenen Entwicklung, zum Experimentieren, zur Verwirklichung eigener Ideen.
  • Wir ermöglichen allen Bewohnerinnen und Bewohnern sinnvolles Tun. Denn Arbeit - sich selbst wirksam, produktiv und leistungsfähig zu erleben - ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Jeder Mensch möchte seine Fähigkeiten und Interessensbereiche einsetzen.
  • Wir verstehen uns als Lebensbegleiter; wir unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Umsetzung ihrer Bedürfnisse und Lebensziele.
  • Wir öffnen den Bewohnerinnen und Bewohnern Türen ins Leben, die für sie aufgrund ihrer Beeinträchtigung sonst verschlossen blieben.
  • Wir stehen ihnen bei Krankheit zur Seite und begleiten sie auf ihrem letzten Weg.

 

Wohngemeinschaft Maria-Martha: Der Name ist Programm

Namensgeberin unserer Einrichtung war Äbtissin Mutter M. Anna Meier: Mit bürgerlichen Namen hieß sie Martha.

Doch der Name ist weit mehr. Er ist auch Programm. Er verweist auf zwei Frauen, über die im Neuen Testament an mehreren Stellen berichtet wird. Die Bibel (Joh 11,18) erzählt, dass die Geschwister Maria und Martha gemeinsam mit ihrem Bruder Lazarus in Palästina im kleinen Örtchen Bethanien lebten. Dies war zu Zeiten Jesu. Bethanien liegt südöstlich, nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt. Die Bibel berichtet weiter, dass Jesus mit den Geschwistern befreundet war und sie immer wieder auch besucht hat.

Jan Vermeer van Delft Christus bei Maria und Martha 1654 1655 Ol auf Leinwand National Gallery of Scotland EdinburghDie Intention unseres Namens bezieht sich vor allem auf eine Geschichte von Lukas (Lukas 10,38-42).
Lukas erzählt, dass Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war und von Martha eingeladen wurde, in ihrem Haus zu verweilen. Sie machte sich emsig in der Küche zu schaffen, um Essen und Trinken für die Gäste vorzubereiten. Maria hingegen „setzte sich dem Herrn zu Füßen“ und hörte ihm zu, was so viel bedeutet wie: Er lehrte sie.

Vieles von dem, was in dieser Geschichte berichtet wird, ist für die damaligen Verhältnisse sehr ungewöhnlich. Z.B. wie Jesus mit den Frauen umging. Er hat sie als gleichberechtigte Glieder der Gesellschaft akzeptiert, er hat sich von einer Frau bewirten lassen und hat die andere gelehrt. Damit hat er völlig konträr zu den damals üblichen Gepflogenheiten gehandelt – nicht zum ersten Mal. Er lebte die Überzeugung: Alle Menschen sind vor Gott gleich. Er machte damit Ernst.

Und noch etwas anderes ist wichtig in dieser Geschichte. Martha beschwerte sich nach einer Weile bei Jesus, dass sie die ganze Küchenarbeit allein leisten muss, während Maria bei Jesus sitzt und nichts tut. Nun könnte man erwarten, dass Jesus ihr Recht gibt und Maria bittet, Martha zu helfen – aber nein. Er sagt, dass Maria das Richtige tue. Es ist wichtig, neben den vielen alltäglichen Sorgen, auch dem Wort Gottes zu lauschen. Oder anders gesagt. Es ist richtig, sich von den vielen Dingen des Alltags nicht beherrschen zu lassen und sich Zeit für das Gespräch mit dem Nächsten und das Hören auf das Wort Gottes zu nehmen.

Die Geschichte sagt auch: Gastfreundschaft, Menschenfreundlichkeit ist mehr als das Zur-Verfügung-Stellen von Essen, Trinken und einem Ort zum Ausruhen – es ist auch das Gewähren von Zeit und die Muße für Gespräche, für persönliche Hinwendung, das Lauschen auf die Bedürfnisse des anderen. Dies bedeutet im Kontext unserer täglichen Arbeit, dass die gute Versorgung unserer Bewohner_innen sehr wichtig ist. Ebenso wichtig ist das Hin-Hören, das Aufnehmen von individuellen Wünschen, Sorgen und Bedürfnissen. Und wichtig ist auch, immer wieder Zeit zu investieren, um sich „dem Herrn zu Füßen zu setzen“.

Im engen Sinn meint es, sich unserer geistlichen Wurzeln bewusst zu werden, aus denen heraus wir agieren sollen - wie es auch unser Leitbild formuliert. Im weiteren Sinn meinen wir damit, sich als Mensch weiter zu bilden, sich fachlich fit zu halten, sich neuem Zuzuwenden.

Es braucht also beide, Maria und Martha. Und in diesem Sinn ist der Name unserer Einrichtung Programm.